In der Woche vom 13. bis 18. Februar 2017 organisierte ich zusammen mit zwei unserer Helferinnen abermals eine Kastrationswoche an der Ostküste in Protaras. Auf Zypern kann es zu dieser Jahreszeit bereits recht frühlingshaft mit angenehm warmen Temperaturen sein. Doch leider war uns der Wettergott nicht gut gewogen. Es war kalt, teilweise regnete es in Strömen oder es blies ein eisiger Wind; nicht gerade die besten Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein…

Nichts desto trotz machten wir uns voller Enthusiasmus an die Arbeit!
K I A (eine unserer Helferinnen) hat mich auf einen Zyprioten aufmerksam gemacht welcher dringend Hilfe benötige. So machten wir uns mit Boxen, 2 Falle, Futter etc. auf den Weg. Beim Betreten seines Grundstücks kamen uns so um die 20 Katzen entgegen, keine davon kastriert und die wenigsten in einem guten Zustand.

Mit viel Geduld konnten wir schliesslich 10 einfangen und tags darauf nochmals 4; wir werden dranbleiben! Dieser Mann lebt mit seiner 90 jährigen Mutter, ist selbst krank und holt auch immer wieder Hunde aus den Tötungsstationen. Die Hunde waren alle wohl genährt und in einem guten Zustand.
Als nächstes kontrollierten wir eine Kolonie, welche wir zufälligerweise im vergangenen Dezember entdeckten. Wiederum ein Zypriote, der mit seiner falsch verstandenen Tierliebe ein enormes Elend verursachte! Auf Anhieb entdeckten wir nur gerade 3 kranke Tiere, die stationäre Behandlung benötigten und Einiges hatte sich durch unsere Aufklärungsarbeit verbessert. So werden z. Bsp. Die Samtpfoten nicht mehr ausschliesslich mit Nassfutter versorgt, sondern haben Zugang zu Trockenfutter und Wasser.
Nur leider hält dieser Mann immer noch nichts von Ordnung und Sauberkeit. Flaschen, Plastiksäcke, leere Büchsen liegen massenhaft herum. Wir haben einen grossen Container (1´000 l) mit diesem Unrat gefüllt und hoffen, dass es Nachahmung findet!

Im Dezember war dieser Ort ein Bild des Schreckens! Unzählige Jungtiere in einem absolut desolaten Zustand (verwurmt, abgemagert und verschnupft). Viele erwachsene Tiere mussten stationär behandelt werden (Zähne ziehen, Hautpilze behandeln, Schnupfen, Durchfall, Abszesse, Frakturen, Augen operieren, mehrere mussten gleich euthanasiert werden. Nicht wenige haben viele Wochen in der Klinik verbracht und konnten unmöglich wieder „ausgewildert“ werden.

Mit Hilfe unserer Freunde haben ein paar bereits ein neues Zuhause gefunden; die restlichen befinden sich in unserer Obhut, bis sich auch für sie ein Happyend abzeichnet. Wir werden die Kolonie im Auge behalten. Übrigens haben wir dort auch dieses Mal wieder viele Tiere zur Kastration eingefangen. Und es gibt noch mehr zu tun.

Das absolut Belastende für mich ist, stets darauf gefasst zu sein, noch mehr Trauriges und noch mehr Elend vorzufinden und abwägen zu müssen, ob wir in der Lage sind, das Problem sowohl finanziell wie auch kräftemässig anzugehen!

Trotz der schlechten Bedingungen haben wir bis Ende der Woche 53 Katzen eingefangen, haben dabei auch wieder neue Kolonien gefunden wie z. B. bei Einkaufszentren, Restaurants oder bei div. Hotels.
Am Schluss habe ich Bekanntschaft mit einem Security-Mann eines Einkaufszentrums gemacht. Dieser hat mir tatsächlich geholfen, die Streuner einzufangen und hat mir dabei von „seinen Katzen“ erzählt. Er hat wirklich ein Herz für Tiere und uns per Zufall kennen zu lernen, war für ihn wie ein Geschenk des Himmels. Auch er füttert ´zig Katzen ohne je zu kastrieren oder med. zu versorgen (ihnen allen fehlt das Wissen und die finanziellen Mittel). Seine Kolonie zu „sanieren“ wird unser nächstes Projekt sein, denn leider sind die Weibchen jetzt hochträchtig oder haben bereits Junge.

Last but not least diese Geschichte: wir waren mit 9 Katzen auf dem Weg in die Klinik (Autobahn). Da plötzlich liegt ein Hund vor uns auf der Überholspur, er lebt, er hat den Kopf bewegt. Zum Glück sind nur recht wenig Autos unterwegs und ich gehe langsam auf den Hund zu. Dieser schaut mich mit seinen warmen braunen Augen traurig an; widerstandslos lässt sich die Hündin hochheben und ins Auto tragen.
Sie ist unverletzt, jedoch völlig erschöpft und total abgemagert! C A R L A, so habe ich sie benannt, lebt momentan bei uns, hat sich bestens erholt und nimmt stets etwas an Gewicht zu.

Sie ist vollumfänglich medizinisch versorgt, kastriert und gechipt, also bereit, nun das für sie geeignete Zuhause zu finden: Wir können und dürfen CARLA nicht behalten. Sie ist erst einjährig, voller Energie und vor allem geht´s gar nicht mit unseren Katzen. Sie ist ein Jagdhund Pointer. Im Gegensatz zu unserer Hündin A D E L E, welche ich vor einem Jahr gerettet habe. Sie ist ebenfalls ein Jagdhund, liebt jedoch unsere Katzen heiss und die Katzen ihrerseits haben A D E L E mittlerweile völlig akzeptiert!

Ihre Beatrice Siegrist
Vavatsinia, Zypern, 21. März 2017