…die kleine grosse Kämpferin

Es ist Samstagmorgen, der letzte Tag unserer Kastrations-Woche. Wir bringen die letzten operierten Tiere an ihre angestammten Plätze zurück. Es herrscht Betriebsamkeit und Aufbruchsstimmung, denn unsere Freunde werden gegen Abend zurück in die Schweiz fliegen und wir zurück in die Berge fahren.

Da finde ich meine Freundin still im Auto sitzend, Tränen in den Augen und auf ihrem Schoss ein kleines graues Knäuel, welches sie soeben mitten in einer Gruppe „rangelnder“ Katzen entdeckt hatte. Das Kätzchen, ein Bild des Jammers!! — unterernährt, voller Ungeziefer, ein Auge bereits verloren; doch das kleine E T W A S beginnt in den Armen der Freundin zu schnurren…

In der Klinik stellt sich heraus, dass die kleine Samtpfote erblindet ist und im Kieferbereich hatte sich ein grosser Abszess gebildet (ausgehend wahrscheinlich von einem schlechten Zahn). Sie ist in einem absolut desolaten Zustand! Wie lange wohl war sie nicht mehr in der Lage, Nahrung zu sich zu nehmen? Und bestimmt leidet sie unter grossen Schmerzen.

Was sollen wir tun? Sie gleich von ihren Qualen erlösen? Gemeinsam entscheiden wir, alles daran zu setzen, was aus tiermedizinischer Sicht möglich war, um dem kleinen tapferen Geschöpf die Chance zum Leben zu geben!

Das Problem war schlussendlich grösser als anfänglich angenommen. Der Abszess hatte bereits den Knochen angegriffen, sodass das Wundgebiet jeden 2. Tag unter Sedierung ausgespült werden musste und weil die Kleine so untergewichtig war, konnte auch nicht die benötigte volle Antibiotika-Dosis verabreicht werden.

Viele Tage vergingen und ihr Zustand hatte sich kaum merklich verbessert. Die Tierärztin machte uns wenig Hoffnung und sprach bereits von Euthanasierung. Ich wollte einfach nichts unversucht lassen und mit dem Einverständnis der Ärztin nahm ich Rücksprache mit unserer Homöopathin in der Schweiz und informierte anschliessend die Leute in der Klinik genau, wie sie vorzugehen hatten.

Nach fast 4 Wochen bangen, dann plötzlich die Kehrtwende: Fortuna begann zu fressen wie ein „Drescher“ und fing an sich für alles um sie herum zu interessieren. Nach weiteren 2 Wochen hatte ich sie zu uns nach Hause genommen und bereits am ersten Abend tat sie lauthals kund, dass sie die Nacht in Gesellschaft verbringen möchte und nicht abgeschirmt alleine in einem Zimmer! Es war, als hätte sie schon immer dazugehört. Sie jagt die Spielmäuse, tollt mit Sämi, der nur wenig älter ist als sie, verteidigt vehement ihr Futter und findet nachts den Weg zu mir ins Bett, um sich möglichst nahe an mich zu kuscheln…

Bald schon wird sich FORTUNA auf die grosse Reise in ihr neues Zuhause begeben, wo sie von „ihren Menschen“ sehnsüchtig erwartet wird!

PS. – und Beatrice wird einmal mehr Tränen trocknen. Traurig und glücklich zugleich …

Protaras, Zypern, im Januar 2017
Ihre Beatrice Siegrist