Kastrationswochen vom 13. bis 20. Januar 2018 und vom 21. bis 28. Februar 2018

Im Sommer 2017 haben wir Bekanntschaft gemacht mit einem jungen Schweizer – Paar. Dieses verbrachte seinen Urlaub in AGIYA NAPA, einer bekannten und beliebten Feriendestination auf Zypern. Das Paar war schockiert von der Situation der streunenden Katzen und hatte uns deshalb kontaktiert (wir waren bis anhin in dieser Gegend nicht tätig ).

In einem Hotel in Agija Napa gibt es sehr kranke Kater

Die beiden jungen Menschen waren sehr besorgt und machten sich Gedanken darüber, wie sie uns und die leidenden Tiere aktiv unterstützen könnten!? So kam es, dass Michaela und Guido eine Woche ihrer Ferien „opferten“ und uns während dieser Zeit in allen Belangen tatkräftig unterstützten!

Da die Beiden ihre Erfahrungen mit den Samtpfoten in AGIYA NAPA gemacht hatten, haben wir uns entschlossen, während dieser Woche auch ausgiebig d o r t tätig zu sein. Der Zufall wollte es, dass wir kurz vorher von einem Hotel – Manager vor Ort um Hilfe bezüglich der Katzen angefragt wurden (zum ersten Mal in all´ diesen Jahren)!

Wir waren zwei Tage in besagtem Hotel tätig, haben 25 Katzen eingefangen, med. versorgt, kastriert und wieder zurückgebracht. Dieses Erlebnis war so wunderbar für mich!! Vom Manager bis zum kleinsten Angestellten wurden wir freundlich und mit offenen Armen empfangen und wir durften uns sogar am Frühstücks – Buffet bedienen. Es ist dies das Hotel AKTEA in Agija Napa.

Das Gegenteil musste ich während dieser Woche dann aber auch noch erfahren; ein Barbesitzer hat uns mit Schimpf und Schande davongejagt und ich wäre beinahe von der Polizei verhaftet worden. (einer der Tierärzte musste mich „herausholen“) das Traurige an der Geschichte ist: Da sassen auf der Terrasse vor seiner Bar (die Bar ist im Winter geschlossen) eine grosse Anzahl Katzen jeglichen Alters, die meisten davon in schlechten Zustand. Sie waren so hungrig, dass wir nur die Transport-Boxen aufstellen mussten und die Vierbeiner gingen von alleine rein. Glücklicherweise hat uns dieser „Typ“ erst am 2. Tag gesichtet und so hatten etliche die Chance med. versorgt und kastriert zu werden und alle kamen in den Genuss von Futter und Wasser.

Die Tiere durften nicht kastriert werden, weil die Touristen vom Frühling bis im Herbst ja sooo Freude an den kleinen Kätzchen hätten und im Winter ja dann sowieso viele „draufgehen“ würden… (dies die Aussage des Barbesitzers). Zugang zu Futter und Wasser hatten diese Tiere nirgends!! Er hasst zwar die Katzen, aber um Kunden „anzulocken“ ist ihm jedes Mittel recht.

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Stadt- Verwaltung gerade veröffentlicht hatte, man habe das Problem der streunenden Katzen erkannt und man werde € 5´000 für Kastrationen bewilligen. Angesichts der verheerenden Situation einerseits ist dieser Betrag lächerlich und andererseits kein Wort davon, w e r denn die Katzen einfangen sollte — oder das Ganze koordinieren etc. Die Tierärzte im ganzen Gebiet haben ihre Offerten eingereicht und auch „unser“ Hotel – Manager wurde mehrmals bei der Stadt – Verwaltung deswegen vorstellig, niemand jedoch hat je auch nur 1 EURO gesehen. Im Gegenzug hat uns der Besitzer des Hotels (wo wir 25 Katzen eingefangen hatten) 400 EURO zukommen lassen!!

Die restlichen Tage waren wir in einem weitläufigen Gebiet tätig; die meisten Plätze waren mir bereits bekannt. Insgesamt kastrierten wir in e i n e r Woche 97 Samtpfoten!!

Mutterkatze (konnten wir sterilisieren) mit einem ihrer 3 Babys

In der Woche vom 20. bis 28. Februar hatten wir erneut Hilfe aus der Schweiz und zwar waren dies eine Mitarbeiterin unserer Notarin mit deren Tochter und eine langjährige Freundin aus dem Tierschutz.

Mein Ziel war es, in diesen Tagen in erster Linie unsere langjährigen Kolonien zu betreuen und zu „durchforschen“. Des Weiteren waren wir erneut in einem der Hotels in AGIYA NAPA tätig (eines der besten Häuser vor Ort). Zu Beginn der Woche kontaktierte uns ein Gast aus Österreich und bat um dringende Hilfestellung. Diese Frau war bereits vor drei Jahren in besagtem Hotel und hat sich für die Katzen eingesetzt. Nach mühsamen Diskussionen konnte sie das Management davon überzeugen, in der hintersten Ecke der sehr weitläufigen Gartenanlage ein Katzenhaus (Futterstelle) zu errichten. Frohen Mutes reiste sie nun nach Zypern in der Meinung, ein paar entspannte Ferientage verbringen zu können.

Aber was sie antraf, machte sie wütend und sehr traurig zugleich. Die Futterstelle ungenutzt, die Katzen unkastriert, einige in schlechtem Zustand und des nachts wurden Fallen aufgestellt. Niemand wollte Auskunft geben, was mit den eingefangenen Tieren passieren würde.

Zusammen haben wir sämtliche Tiere eingefangen, kastriert und medizinisch versorgt. Ein Kater war Leukose positiv und in einem so erbärmlichen Zustand, dass ihm nicht mehr geholfen werden konnte und bestimmt hatte er über viele Wochen enorm gelitten und niemand hat sich darum gekümmert!

In einem Hotel in Agija Napa gibt es sehr kranke Kater

Diese Dame hat während ihres gesamten Urlaubes nichts anderes gemacht als sich unermüdlich für diese Samtpfoten einzusetzen d.h. sie hat das Katzenhaus neu eingerichtet, Futter und Becken gekauft, hat Verbündete gesucht, ist mehrmals bei den Verantwortlichen vorstellig geworden; sie hat für diese Samtpfoten gekämpft wie eine Löwin!

Nur 1 Tag nachdem die Dame abgereist war (im Glauben alles wäre jetzt gut) habe ich eine Katze zurückgebracht und war schockiert; wiederum kein Futter, kein Wasser und die meisten Becken weggeräumt! Was uns Beiden am meisten zu schaffen machte war die Tatsache, dass man sich hier nicht scheut, die Gäste skrupellos anzulügen und für dumm zu verkaufen und bei den Reiseanbietern als „Katzenfreundliches Hotel aufzutreten»!!

Frau S. liess nicht locker, sie drohte die ganze Geschichte bei allen grossen Anbietern publik zu machen und über Facebook tätig zu sein. Dies zeigte schlussendlich Wirkung. Ich gehe nun ab und zu vorbei, schaue ins Katzenhaus und orientiere mich über den Gesundheitszustand der Tiere (zwischenzeitlich waren bereits wieder 2 in der Klinik).

Das Management hat sich weder einmal bedankt, noch sich im Geringsten an den Kosten beteiligt. Wir kastrierten während dieser Woche 64 Tiere und zwischen uns Frauen hat sich eine wunderbare Freundschaft entwickelt!

Während der Sommermonate ist kastrieren für uns nicht prioritär, denn die Weibchen haben Junge und auf der Insel ist es unerträglich heiss und durch die vielen Touristen laut und hektisch. Unser Augenmerk gilt nun vorwiegend den kranken und verletzten Tieren oder jenen, die sonst irgendwie in Not geraten sind.

Nachfolgend ein paar Beispiele unserer „Einsätze“ von Mai bis Juli 2018:

Eine Bekannte ruft mich an und weint; ihr erwachsener Sohn hat seinen unkastrierten Hund zu ihr nach Hause gebracht und mit der „läufigen“ Hündin zusammengelassen, obschon sie ihm dies klar untersagt hätte! K I A, so ihr Name, liebt die Tiere über alles, ist aber chaotisch und hat einfach n i e Geld ! Ich schicke sie zum Tierarzt und bezahle die Kastration der Hündin.

Ich besuche die Frau des Dorfpfarrers und finde den dort zugelaufenen Hund in einem sehr schlechten Zustand vor. Ich vereinbare einen Arzttermin für den nächsten Tag. Resultat, der Hund leidet an einer schweren Infektionskrankheit die aber behandelbar ist und Eleni ist bereit, dem Hund die Medikamente zu verabreichen und ihn regelmässig zum Arzt zu bringen. Noch am selben Abend verschwindet der Hund auf unerklärliche Weise. Ich habe herausgefunden, dass die Dorfbewohner das schon genug gepeinigte Tier vergiftet haben. Die Dörfler mögen ihren Pfarrer nicht (ist zu aufmüpfig und kommt aus Griechenland). Einmal wöchentlich kommt ein Arzt ins Dorf und bei dieser Gelegenheit wäre der Hund stets störend gewesen… was soll man dazu sagen???

Eine Engländerin bittet um Hilfe – wir finanzieren ihr bei der Tierklinik 10 Kastrationen sowie med. Behandlungen für Jungtiere.

Für K I A finanzieren wir ebenso 10 Kastrationen. Vor dem Einkaufs-Center unten im Tal sitzt ein junger Kater, verschnupft, verklebte Augen, voller Ohrmilben —- wir bringen ihn gleich in die Klinik; nach der Behandlung und einiger Tage Genesung wird er gleich noch kastriert.

Etwas später zwei weitere Kater kastriert und med. versorgt. Jemand hatte beim Parkplatz eine Schale Futter und Wasser hingestellt. Jedes Mal, wenn wir nun ins Tal fahren, stellen wir eine neue Kanne mit frischem Wasser hin und kaufen, wenn nötig, einen Sack Futter. Schön zu sehen, dass dies Schule macht! Es gibt immer wieder jemand, der Futter kauft und hinstellt, oder Wasser auffüllt. Wir werden mit Kastrieren dranbleiben.

Freitagnachmittag, in einer Bäckerei in Paralimni sitzt eine junge Katze, gefangen hinter einem grossen Kühlgerät. Der Besitzer der Bäckerei erlaubt niemandem, das verängstigte Tier zu befreien und wie üblich hat die Polizei für so was keine Zeit (man lässt sich deswegen nicht vom Kaffee trinken abhalten). Nach langen Überlegungen, wie der Katze zu helfen sei, erinnere ich mich plötzlich an einen tierliebenden Polizei-Offizier aus der Hauptstadt und tatsächlich hat mein Mann seine Handy – Nr. gespeichert. Ein Anruf genügt und innert 10 Minuten sind Polizei und Feuerwehr vor Ort und das Kätzchen kann befreit und gerettet werden!

Schweizer Feriengäste kontaktieren uns wegen eines völlig abgemagerten und verwahrlosten Katers in einem Supermarkt. (Er hatte sogar noch ein Bändeli um den Hals, das heisst: er wurde ausgesetzt! Der Kater wurde in die Klinik gebracht und leider kam jede Hilfe zu spät!!

Anruf — HILFE !! — winziges Kätzchen gefunden, was nun? Die kleine M O L L I N A ist bei uns, zusammen mit weiteren vier verschiedenen Alters. Sie ist nur faustgross aber klettert mit den einiges grösseren um die Wette!!

Mollina mit Minka

Wieder ein Anruf von Schweizer Gästen aus einem Hotel in AGIYA NAPA. Es geht um eine sehr junge Mutterkatze mit drei Kleinen, einem Kater mit grossen gesundheitlichen Problemen; ein junges Weibchen, das ihnen sehr am Herzen liegt. Kurz entschlossen packen wir das zarte halbjährige Weibchen in die Transportbox, fahren gleich in die Klinik wo M I A sterilisiert und alle Massnahmen für eine spätere Ausfuhr in die Wege geleitet werden. M I A hatte Glück, denn nach nur kurzer Zeit bei uns, öffnet sich die verheilte Bisswunde am Rücken erneut und sie benötigt über 10 Tage zwei verschiedene Antibiotika. M I A darf im September ihre grosse Reise in die Schweiz antreten und wird dort zusammen mit J E B E L ein wunderbares Katzenleben verbringen können (das Paar hat JEBEL im letzten Herbst von uns adoptiert).

Den kranken Kater konnten wir auch nach mehrmaligen Versuchen bis jetzt nicht einfangen. Die junge Mutterkatze (selber fast noch ein Kitten) sah nicht besonders gut aus und weitere Trächtigkeiten mussten unbedingt verhindert werden! Unser Plan war, Mutter und Kitten zusammen in die Klinik zu bringen, die Kätzin zu sterilisieren und rundum med. zu versorgen und anschliessend alle zusammen in eine unserer Kolonien zu bringen. Michaela und Guido (verbrachten gerade Urlaub in unserem Haus), versuchten stundenlang die Katzenfamilie in eine Box zu bringen, ohne Erfolg. Die Mutter war zutraulich, nur die Jungen nicht.

Verschiedene Hotelgäste haben sich dann bereit erklärt, die Kitten während der Abwesenheit der Mutter mit Wasser und Futter zu versorgen; das hat denn auch wunderbar geklappt und die Mama, gestärkt aus der Klinik zurück, hat sich sofort auch wieder rührend um ihre Kinder gekümmert!

E-Mail Meldung: brauche dringend Hilfe! In einem Hotelgarten (auch wieder in AGIYA NAPA) liegen drei winzige Katzenbabys in einer Schachtel, brauchen dringend die Flasche! Ich war gerade dabei, das Haus am Meer für unsere Freunde und das Geburtstagsfest für meinen Mann vorzubereiten. Wir fanden dann eine vorübergehende Lösung und zwischenzeitlich sind alle bei uns und es geht darum, ein liebevolles Zuhause für unsere Schützlinge zu finden!

Samstag; bitte helfen sie..!!??!! — ich verlasse am Montag Zypern und meine beiden Katzen stehen auf der Strasse, denn mitnehmen geht momentan unmöglich. Also sind die beiden Miezen vorerst bei uns und wie es weitergeht ist unklar …

Eine weitere zurückgelassene Katze werden wir in den nächsten Tagen bei uns aufnehmen. Zwei weitere Hotelkatzen aus AGIYA NAPA, HAPPY und MINKA wurden letzte Woche von ihren neuen Besitzern abgeholt und nach Deutschland geflogen. Diese absolut rührende Geschichte werde ich im nächsten Artikel erzählen…!

Montag, der 23. Juli; ich glaube, dieses Datum wird mir stets in Erinnerung bleiben!!

Es ergeben sich (wie üblich im Sommer) einige Probleme bei unseren Futterstellen und wir mussten uns einen Überblick verschaffen. Ich schlug meinem Mann vor, bei dieser Gelegenheit doch wieder einmal das Gespräch mit den beiden Managern zu suchen und wir hätten im Sinn, unsere Telefon – Nummer zu deponieren, wie auch eine Transport-Box, dass im Notfall das Tier raschmöglichst in die Klinik gebracht werden könnte!

Seit Beginn unserer Arbeit (vor knapp 20 Jahren) waren vor allem diese beiden Hotels unsere grossen „Stützpunkte“. Je nach Manager hat man uns mehr oder weniger toleriert oder auch immer wieder alles kaputtgemacht, eine dauernd positive Zusammenarbeit eher selten.

Beim ersten kommen wir unangemeldet und bringen bei der Rezeption unser Anliegen vor. Normalerweise wurden wir gleich abgewimmelt, doch heute, ich kann es kaum fassen, werden wir gleich vom Manager empfangen. Es ergibt sich ein sehr konstruktives Gespräch und er ist froh, einen Ansprechpartner zu haben und sieht auch die Notwendigkeit ein, Katzen und vor allem gesunde Katzen in der Hotelanlage zu haben. Er zeigt sich erleichtert darüber zu wissen, dass die Samtpfoten vor allem auch im Winter, wenn das Hotel geschlossen ist, mit dem Nötigen versorgt werden. Beide Seiten können nur gewinnen! Er möchte sogar, dass wir für unser Projekt eine Spenden-Box bei der Rezeption aufstellen.

Auch beim zweiten Hotel wurden wir freundlich empfangen. Gemeinsam bestimmen wir im Garten den Platz für die Futterstelle. Der Manager erzählt uns, dass er durch seine Frau (sie ist Russin) das Interesse und die Liebe zu den Katzen entdeckt hätte. Er und seine Frau haben zwei Katzen von der Hotelanlage mit nach Hause genommen; er zeigt uns Fotos und voller Stolz erzählt er weiter, dass sie in einem Mehrfamilienhaus leben würden und er hätte sich stark gemacht, dass noch andere Familien Katzen zu sich nehmen würden. So sei es gekommen, dass jetzt 8 Katzen von „seinem“ Hotel in diesem Mehrfamilienhaus ein Heim gefunden hätten!

Solche Worte aus dem Munde eines Zyprioten, das ist Balsam für die Seele! Zum ersten Mal spürte ich ganz stark die Hoffnung auf Nachhaltigkeit in mir aufsteigen! Nachhaltige Veränderung erreichen wir nur in Zusammenarbeit mit den Landsleuten und diesem Ziel sind wir am 23. Juli etwas näher gerückt.

Von JANUAR bis Ende JULI 2018 konnten 19 Samtpfoten die Insel verlassen.

Mehrere der neuen Besitzer holten ihre Tiere bei uns ab und waren so für kurze Zeit Gast in unserem Haus. Praktisch all´ diese Tiere waren während einer langen bis sehr langen Zeit bei uns. Sie „aufzupäppeln“, zusammenzubringen, ständig zu beobachten und alles daranzusetzen, dass sie nach Möglichkeit in bester Verfassung d. h. sowohl physisch wie auch in ihrem Verhalten am Bestimmungsort ankommen. Dies ist eigentlich der aufwändigste und anstrengendste Teil meiner Arbeit.

Die nächste Kastrationswoche findet im November 2018 statt. Von Januar bis Ende Juli wurden bereits über 200 Tiere kastriert oder sterilisiert.

Diese glücklichen und (inzwischen) gesunden Katzenpersönlichkeiten stehen für viele Andere, die Ihre Hilfe benötigen: